Dienstag, 13. September 2011

Die verrückteste Woche unseres Lebens

Eine Woche unserer Reise ist vorbei und wir haben mit Sicherheit schon mehr erlebt als in den vier Monaten seit dem Abitur. Nicht alles war positiv, aber wir wollen nicht vorgreifen.
Alles fing natürlich am Dienstagnachmittag mit unserer Abreise an. Mit einem Mix aus Vorfreude, flauem Gefühl und bitteren Abschiedstränen begannen wir unsere Reise. Uns stand jetzt eine 2 Tages Reise bevor, die sich noch länger anfühlte als sie klingt: Frankfurt – Dubai – Melbourne – Auckland!
Schon am heimischen Flughafen lernten wir an den Gates, wie auch in dem Flugzeug selbst, andere Backpacker von Travelworks kennen. Im Laufe des Fluges lernte man sich besser kennen und wir merkten, dass die Pläne der anderen oft auch nicht besser durchdacht waren als unserer. Nach der Ankunft in Dubai war die Erschöpfung schon spürbar und wir hatten nicht mal ein viertel des Weges hinter uns. Nach 4 Stunden in Dubai, von denen 20 minuten alleine auf einen kurzfristig angekündigten Gatewechsel in Dubai entfielen, machten wir uns an einen der längsten Flüge der Welt. Selbst die gute Gesellschaft und das unglaubliche Multimedia Angebot von Emirates konnten die Zeit nicht wie im Flug vergehen lassen (oh süße Ironie). Durch die gemeinsame Zeit mit den anderen Backpackern erst beflügelt, hatte man nun so viel Zeit zum denken, dass man vieles hinetrfragte und wir zwischendurch nur dachten: 'Wie sind wir eigentlich auf die absolut bescheuerte Idee gekommen nach Neuseeland zu fliegen?!'

Aber spätestens mit der eisgekühlten Wilkommens-Cola am Flughafen Auckland traten diese Zweifel in den Hintergrund. Zu keinem Zeitpunkt konnte man der Begeisterung der Kiwis über die Rugby-WM im eigenen Land entkommen und gerade die ersten anderthalb Tage war diese Euphorie extrem ansteckend. Tatsächlich nahmen wir bereits am zweiten Abend an der größten Party teil, die Neuseeland je gesehen hat. Anlässlich des Eröffnungsspiels zwischen den New Zealand All Blacks und der sympathischen Truppe aus Tonga pilgerte ein Meer, oder viel mehr ein gigantischer Ozean, von Menschen die Queen Street hinauf und herunter, je nachdem ob sie am Stadion oder am Hafen feiern wollten. Eine Menschenmenge, die selbst massenerprobte Rockmusikfans wie Björn ernsthaft beeindruckte. Die ganze Nacht wurde gefeiert, wir mussten spontan die Regeln von Rugby entschlüsseln, lernten Menschen unterschiedlichster Nationalitäten kennen und hatten einfach einen Mordsabend.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich aus den Bekanntschaften im Flug bereits eine feste Gruppe entwickelt, mit der wir die meiste Zeit rumhingen, Pläne berieten und vor allem Spaß hatten. Dominik, Sören, Smokey, Armin, Martin, Felix und wir bildeten den Kern dieser Clique. Gerade für uns, die wir eine nicht unerhebliche Portion Unglück zu überwinden hatten, kam die Bekanntschaft mit anderen Backpackern als Segen daher.
Zunächst mal lag Leo am Samstag flach, ob nun wegen Jetlag, minderwertigem Asia-Essen oder aus anderen Gründen, ab drei Uhr ging nichts mehr und wir verloren wertvolle Planungszeit. Doch während wir diesen Rückschlag noch recht gut verkraften konnten, zumal wir die Weisheit besessen hatten, zwei Extranächte zu buchen, wurde der Sonntag zu unserer persönlichen Neuseeland-Hölle.
Der Plan war, zum Carmarket in Ellerslie zu fahren und uns einen fahrbaren Untersatz zu besorgen, würdig zweier Backpacker ohne nennenswerter Autokenntnis. Dieser springende Punkt sorgte beim Autokauf verständlicherweise für Nervösität, aber es stellte sich heraus, dass wir erst nach dem Kauf wahrhafte Panik über uns selbst bringen sollten. Kaum hatten wir unseren silbernen Nissan Bluebird aus den frühen Neunzigern vom Vorbesitzer übernommen wurden wir, hier besonders Leo, der so mutig war, als erster zu fahren, ins kalte Wasser geschmissen. In einem Anflug von Backpacker-Größenwahn glaubten wir, den Weg vom Carmarket zum Hostel alleine finden zu können. Nur Minuten nach der Abfahrt fanden wir uns auf dem vollkommen falschen Motorway wieder, einer der Orte, die wir ohne nennenswerte Linksfahrerfahrung definitiv hätten meiden sollen. Nachdem wir vollkommen panisch die nächste Ausfahrt nahmen und unsere Mates angerufen hatten, konnten wir nach kurzen Anweisungen und einer etwas ruhigeren Motorway-Fahrt zurück zum Carmarket etwas Entspannung finden. Dank des netten bayrischen Pärchens, dass Sören, Dominik, Felix und Silas ihren Geländewagen Murdock verkauft hatte, kamen auch wir schließlich am Hostel an. Bei dieser Gelegenheit konnte Leo feststellen, dass Links fahren und mit Links schalten gar nicht so schwierig ist, wenn der kombinierte Puls der Insassen nicht über 400 liegt. Also doch noch ein Happy End...
HA, von wegen. Der wahre Terror des Sonntags begann erst, als wir den Wagen vom Hostelparkplatz aus umparken mussten. An sich kein Problem, würde der Wagen nur anspringen... Nicht ein Lämpchen wollte mehr auf das Drehen des Zündschlüssels reagieren und für den Moment waren wir uns absolut sicher, dass wir von einem teuflischen Autohändler nach Strich und Faden über den Tisch gezogen wurden. Mit einem Auto, dass sich keinen Meter bewegen wollte, und einem durch den Kauf stark angeschlagenem Bankkonto, sahen wir beide für einen kurzen Moment das Ende unserer Reise gekommen. Die Panik, die uns überkam lässt sich mit Worten kaum beschreiben, aber glücklicherweise überraschend gut beruhigen. In unserer Verzweiflung beschloss Björn, bei Work'n'Holiday anzurufen, genauergesagt bei Lily, die sich auch am Sonntag aufopferte um panischen Backpackern in ihrer Not mit guten Rat zu helfen. Eine simple Aussage wie: "Das hatten wir schon öfters. Das ist wahrscheinlich nur die Batterie, weil der Wagen so lange rumstand.", gab uns die Möglichkeit wieder klar zu denken und uns von hilfsbereiten Kiwis einen "Jumpstart" geben zu lassen. Drei Mal. Ungefähr so leer war unsere Batterie. Zum Aufladen ein paar mal um den Block gefahren und schließlich umgeparkt, gönnten wir uns eine lang ersehnte warme Dusche, denn wir vergaßen zu erwähnen, dass es den ganzen Tag wie aus Eimern geschüttet hatte. Das wir an dem Drama selbst Schuld waren, weil wir das Licht angelassen hatten, war letztendlich sogar eine positive Nachricht, weil wir somit also doch nicht übers Ohr gehauen worden waren. Trotzdem entwickelten wir ein allgemeines Misstrauen dem Auto gegenüber und schickten es heute sicherheitshalber nochmal in eine Werkstatt, zum allgeinem Check. Zu unserer unendlichen Erleichterung wurde uns dort mitgeteilt, dass unser Auto in einem sehr guten Zustand ist.
Jetzt sitzen wir in der Lobby des wesentlich billigeren Base Hostels in das wir heute eingezogen sind um noch etwas Zeit zur Jobsuche und generell weiterer Planung zu haben. Das hat sich einfacher als gedacht herausgestellt. 20 Minuten Internetrecherche und 30 Sekunden Telefonat, brachten uns schon jetzt einen Platz auf einer Farm ein, auf der wir gegen Arbeit umsonst wohnen und essen können. Das gibt uns die Möglichkeit Auckland morgen nochmal in vollen Zügen zu genießen!
Alles in allem war es also eine überaus verrückte Woche, die ebenso viele tiefe Tiefs wie hohe Hochs beinhaltete! Mal sehen was noch kommt :)
Achso... und wir haben schonmal 11$ mit Straßenmusik verdient!
                                   "Lucille"und wir!

3 Kommentare:

  1. geil geil geil ;) so lieb ich mir das backpacker leben - auch wenn ichs nicht fassen kann, dass ihr an der allerschönsten stadt der welt nur vorbeigeflogen seid... ;)

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  2. Eure Angst kann man echt gut nachvollziehen :D
    Aber naja solange ihr alles gut überstanden habt ist ja bombe ;)
    Viel Glück bei der Jobsuche hoffentlich hört man bald wieder von euch ;)

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  3. Maaan maaan...geile Story und geile karre :D
    alles Gute euch ;)

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