Donnerstag, 13. Oktober 2011

200.000 Bäume, 5 Roadtrips und ein geplatzter Reifen

Nach langer Pause melden wir uns wieder zurück, mit einem Haufen neuer Stories, wie immer auch mit ein paar zweifelhaften Erfahrungen. Es tut uns Leid, dass wir so lange gebraucht haben und dass wir euch mit so einem Textwall konfrontieren. Wir hoffen, dass wir in der Zukunft einen besseren Rhytmus finden. Aber fangen wir am Anfang an.
Noch während wir die letzten Worte unseres letzten Blogeintrags schrieben, hörten wir an der Rezeption, dass ein Engländer sich in unserem 8-Personen-Zimmer übergeben hatte. Wir waren nicht übermäßig überrascht, hatten wir ihn doch zuvor dabei angetroffen, wie er, sich ständig an der Wand festhaltend, über den Flur torkelte. Wir entschieden uns also dafür, unserem Zimmer noch ein wenig fern zu bleiben und als wir uns eine Stunde später wieder reintrauten war schon nichts mehr zu merken.
Am nächsten Abend hatten wir uns mit Lucinda und Nicola, zwei Irinnen, die wir bei der Kick-Off Party am Freitag kennen gelernt hatten, und Kaya, einer Deutschen, die wir während unseres Aufenthaltes im YHA Hostel getroffen hatten, verabredet, um ein bisschen zu feiern. Praktischerweise wohnten wir ja mittlerweile im Base Hostel, welches direkt über der Globe Bar liegt, sodass die Wahl nicht schwer fiel und wir uns vor dem Hostel trafen. Nachdem wir den Beginn des Abends auf Video festgehalten hatten, begaben wir uns in die Bar, die noch recht leer war. Kaum hatten wir es uns gemütlich gemacht, wurden wir gefragt, ob wir nicht an einem kostenlosen Pokertunier teilnehmen wollten. Wir wollten natürlich, zumal es fünf Freigetränke zu gewinnen gab. Nach ca anderthalb Stunden hatte sich Nicola selbst gegen einen Pokermeister des Globe Bar Staffs durchgesetzt. Wir anderen mussten schon vorher notgedrungen an die Pooltische wechseln, wo wir uns immer wieder gegen zwei Franzosen maßen, die wir bei unserem letzten Spiel schließlich auch besiegen konnten. Und auch wenn wir im Laufe des Abends Kaya an einen heißen Engländer verloren, hatten Lucinda, Nicola und wir einen extrem geilen Abend, der damit endete, dass wir von einem netten Kiwi noch zu Burger King eingeladen wurden.
Am nächsten Tag hieß es für uns Abschied nehmen von Auckland und auf nach Hamilton, wo wir uns zur Sicherheit noch eine Nacht in einem Hostel gebucht hatten, nicht zu unrecht, wie sich herausstellen sollte. Auf unserem Roadtrip nach Hamilton wurden wir dann auch gleich zum ersten Mal von der Polizei angehalten (Mit Blaulicht!). Der Grund: Wir waren zu langsam. Im Nachhinein wissen wir nun, dass der Tacho unseres geliebten Wagens ungefähr zwanzig Kmh zuviel anzeigt.
Nachdem wir erstmal in unserem Hostel eingecheckt hatten machten wir uns auf den Weg, unser eigentliches Ziel, die Gorilla Hut, aufzusuchen. Es gelang uns auch unwahrscheinlich schnell, '187 Tamahere Drive' zu finden, aber dort angekommen waren wir uns sicher, dass wir irgendwas falsch gemacht haben mussten. Was wir uns als eine Farm vorgestellt hatten erweckte den ersten Eindruck eines Schrottplatzes und da wir auch nach rufen und schauen niemanden außer zwei Hunden vorfanden, machten wir uns geknickt auf den Rückweg ins Hostel.
Von dort aus schrieben wir Damon, dem Besitzer, eine SMS und es stellte sich bald heraus, dass wir richtig gewesen waren, sich jedoch alle im nahegelegenen Haus am Esstisch befunden hatten. Zudem bot uns Damon auch direkt einen Job an, bei dem wir am nächsten Morgen schon hätten anfangen können. Wir gaben uns also Mühe im Hostel früher auszuchecken um pünktlich dort anzukommen, doch ein weiteres mal enttäuschte uns Lucille. 10 Minuten lang hatten wir am Vortag das Licht versehentlich angelassen und die Batterie war so tot, dass selbst ein Jump- und ein Push-Start von einem unglaublich freundlichen Kiwi das Auto nicht zum laufen brachten. Zum Glück waren wir so schlau gewesen zuvor eine Mitgliedschaft beim AA (quasi der neuseeländische ADAC) abzuschliessen und konnten so professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Für den Arbeitstag war es dann natürlich zu spät, aber wir wurden trotzdem sehr freundlich und verständnisvoll von Damon und den anderen Wwoofern* empfangen. Wir hatten also erstmal das Wochenende frei, beziehungsweise arbeiteten für Damon. So hatten wir Zeit um ein bisschen zur Ruhe zu kommen und die anderen Backpacker kennenzulernen. Als wir ankamen waren gerade elf Leute dort, mit uns also dreizehn. Abgesehen von sechs Deutschen lernten wir eine Belgierin, einen Franzosen, eine Britin, ein Chinesin und ein Mädchen aus Singapur kennen.

Die nächsten drei Wochen arbeiteten wir unter der Woche in der McGrath Tree Nursery, mit zwei Deutschen, Rudi und Hans, der Britin Gemma, Martin dem Franzosen und unseren beiden Kiwi Supervisorn Craig und James. Dort hieß es die meiste Zeit Bäume pflanzen, manchmal auch rausreißen oder anmalen, aber doch meistens pflanzen. Dank modernster Baumpflanztechnik hatten wir nach wenigen Tagen schon tausende Bäume in die Erde gebracht und einen Mordsspaß, was aber vor allem an unseren Arbeitskollegen lag. Mit Craig und James hatten wir zwei echte Kiwis vor uns, die an anstrengenden Tagen unsere Pausen gerne überzogen. Vor allem James hatte immer unterhaltsame Geschichten auf Lager, seien es nun seine Erfahrungen aus Mariuhanaanbau, daraus resultierendem Gefängnisaufenthalt oder einfach nur geschmacklose Witze.
Da wir uns schnell mit allen angefreundet hatten beschlossen wir, uns einem Roadtrip nach Rotorua anzuschließen, dessen Ziel heiße Quellen und ein Rugbyspiel waren, das wir beide allerdings nicht eingeplant hatten, da wir keine Karten hatten. Doch schon bald stellte sich heraus, dass wir uns das alles etwas zu einfach vorgestellt hatten. Wir waren mit Lucille unterwegs und bemerkten, dass Damons Van sehr wenig Luft auf dem rechten Hinterrreifen hatte. Wenige Sekunden nachdem wir die anderen per Telefon informiert hatten konnten wir live miterleben, wie ein platzender Reifen aussieht. Also fuhren wir links ran (ja links) und sahen uns den Schaden an. Wenig hilfreich war auch, dass auch bei Lucille Dampf aus der Motorhaube aufstieg. Mit zwei Pannen, keinem Ersatzreifen und keiner Möglichkeit Damon zu erreichen standen wir also erstmal blöd da. Doch da kommt unsere AA-Membershipcard und rettet den Tag. Ein Abschleppwagen war schnell zur Stelle, um den Bus zunächst einmal zwischenzulagern und der Fahrer brachte uns sogar in die Stadtmitte. Lucille fehlte weiter nichts außer ein wenig Kühlwasser, was wir uns problemlos aus dem Warehouse besorgen konnten.
Für Rudis kostenfreie Hot Springs war es mittlerweile allerdings zu spät und wir wollten unsere Freunde nicht im Stich lassen, also sahen wir uns ein wenig in der Stadt um, die durch die vielen heißen Quellen bestialisch nach Schwefel stinkt, und sahen das Spiel schließlich auf einer sehr schlecht besuchten Großleinwand. Kein perfekter Tag, da die Hälfte unserer Freunde nach Hause trampen musste, aber wir hatten unseren Spaß.
Aus diesem ersten Roadtrip resultierte der zweite direkt, da wir ja noch den Van aus Rotorua abholen mussten. Also fuhren Hans, Rudi und wir am Montag direkt nach der Arbeit denselben Weg ein weiteres Mal. Mit zwölf Subway-Cookies und einem Ersatzreifen ging es wieder nach Rotorua, wo wir den Reifen wechselten und sogar eine Autoscheibe einschlagen durften. Auf dem Rückweg versuchten wir uns dann selbst noch an Pannenhilfe, aber der arme Mann, dessen Auto am Straßenrand stehengeblieben war, fand wohl vier Kapuzengestalten, die aus zwei Autos stiegen und ihn mit deutschem Akzent fragten, ob er Hilfe benötige, nicht besonders vertrauenswürdig und lehnte ängstlich dankend ab.
Der dritte Roadtrip war eine logische Schlußfolgerung daraus, dass wir die Hot Springs nie erreicht hatten. Und so machten wir uns am nächsten Wochenende ein drittes Mal auf nach Rotorua, um die sagenumwobenen heißen Quellen zu finden. Wie Rudi versprochen hatte, waren die Quellen heiß, gratis und mitten in der kaum berührten Natur. In einem kleinen Wasserbecken mitsamt Wasserfall genossen wir dann einen wunderbaren Nachmittag, den wir uns ja auch redlich verdient hatten.
Nach der nächsten Woche flogen Rudi, Hans, Jess, Emily, Anne und Sarah in den Urlaub nach Tonga. Trotzdem vereinsamten wir nicht, da in Damons Haus ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Wir freundeten uns an einem Lagerfeuerabend schnell mit Marion und Manon an, zwei Französinnen, die eigentlich nicht lange bei Damon bleiben wollten. Sie verlängerten ihren Aufenthalt allerdings (Wahrscheinlich weil wir so Awesome sind), was uns die Möglichkeit gab, mit ihnen auf einen vierten und einen fünften Roadtrip zu gehen. Dabei begleitete uns auch die Engländerin Gemma, die wir sofort ins Herz geschlossen hatten, als wir hörten, dass sie unter anderem das Hawai-Hemd unseres Lieblingschamäleons Rango animiert hatte.
Samstag machten wir uns also ein weiteres Mal auf in Richtung Rotorua, allerdings nur bis Tirau, einer kleinen Stadt voller Wellblech. Mit sechsunddreißig Subway-Cookies (Ohhhhhh Jaaaaaa!!!) machten wir uns auf den Weg zum Te Waihou Wanderweg, der uns eine Landschaft bot, die schlichtweg atemberaubend war. Der Wanderweg ist etwas mehr als fünf Kilometer lang und verläuft entlang einem türkisen Fluss, durch Wald, Sumpf und grasige Hügel. Auf dem Hinweg machten wir Unmengen toller Fotos und schauten uns am Ende des Weges den Sonnenuntergang an. Was natürlich bedeutete, dass unser Rückweg im Dunkeln lag. So hatten wir auch noch ein wenig Nervenkitzel und eine Menge Spaß beim Drehen eines kurzen Horrorclips.
Am Sonntag suchten wir die heißen Quellen erneut auf. Diesmal ohne mühsame Wegsuche und mit Gemma, Marion und Manon. Außerdem hatten wir diesmal die geniale Idee, im Dunkeln hinzufahren und Teelichter aufzustellen und (außer eurem Lieblingsantialkoholiker Björn) einen leckeren Wein zu trinken, der später am Abend aber hauptsächlich durch die Adern eures Lieblingsalkoholikers Leo floss, der übrigens seit unserer Ankunft in Neuseeland überwiegend Alkoholfrei lebt, schlichtweg aus Preisgründen. Nach einem fantastischen Abend fuhren wir zurück, wobei Leo uns vom Rücksitz aus mit seinen Schlafreden unterhielt.
Mit dementsprechend wenig Schlaf starteten wir in unsere letzte Arbeitswoche, in der wir (gestern) zum ersten Mal bezahlt wurden.
Um geschätzte 1600$ reicher und mit dem fest gefassten Vorsatz, in den nächsten Tagen einen weiteren kürzeren Blogeintrag zu verfassen und unser bisheriges Videomaterial hochzuladen, verabschieden wir uns an dieser Stelle von euch.

PS.: Leo hatte zwischendurch keine und jetzt wieder ein wenig Haare, aber das habt ihr wahrscheinlich mitgekriegt!

2 Kommentare:

  1. cooles Internet-(Monats)-Tagebuch

    das ältere Autos stärkere Tachoabweichungen haben als neue Autos hab ich dir doch schon mal erklärt Björn

    (war glaub ich als du meintest, das ich zu schnell fahren würde, alles Tachoabweichung^^)

    AntwortenLöschen